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Und wieder ein Tag an dem ich mit Schreibbuch und Füllfederhalter bewappnet die Polstergarnituren sämtlicher „Oma“ Couches in meinen Stammcafés hin und herrutsche und vergeblich meine Muße aus ihrem Frühling-, Sommer-, Herbst-, und Winterschlaf wachküssen mag. „Ich will endlich wieder schreiben!“ Puhh ich kann dieses kläglich quietschende Wunschorchester in meinem Kopf schon selbst nicht mehr ernst nehmen, wenn ich an die vielen gescheiterten Versuche denke. Die selbstgesteckte Erklärung mit“ Ich würde ja gerne, hab aber keine Zeit“ ist mittlerweile so was von drüber,  wie die Erschütterung, dass Trump der neue Präsident der Vereinigten Staaten wird.

Mal ehrlich: ich habe die Zeit zum Schreiben, aber ich mache mir selbDruck, dass ich „wenn ich denn mal schreibe, es auch verdammt nochmal richtig tue!“ Wobei ich auf die Diskussion von richtigem vs. falschem Schreiben nullinger eingehen mag.  Aber doch schon auf die Tatsache, dass ich mir die Freude am Schreiben eben selbst nehme, weil ich vielmehr an das Ziel eines spannenden Blogbeitrags mit vielen Likes, Kommentaren und Klout Highscore Contnt morium denke, als an die Freude am Schreiben selbst.

Mal ehrlich, wem da draußen geht es genauso? Gibt es etwas, dass du liebend gerne mal wieder machen magst, vielleicht sogar etwas, dass du noch nie getan, aber schon immer mal ausprobiere oder erlernen magst. Aber dann begegnet dir das große strubbelige „Zeitmonster“, das dir all die möglichen Timeslots vor der Nase wegfrisst, so dass dein Traum weiter Traum bleibt und du am Ende vor lauter Burn Out das letzte Flämmchen für deinen Herzenswunsch erlischen siehst.

Ich kenne das Gefühl nur zu gut und möchte hier auch kein Fingerpoining betreiben, sondern dich vielmehr dazu ermutigen dich selbst zu fragen:

Gehst du deinen Wunsch nicht an, weil du Angst hast an den von dir selbst gemachten Zielen zu scheitern?

 Anstelle vom endlich mal wieder mit dem Laufen anfangen, muss der erste 10k unter 55 Minuten her. Anstelle vom Gitarre lernen, kommt der Kritiker in dir hoch: „Was, wenn ich nach sechs Monaten immer noch kein Lagerfeuer Klassiker fehlerfrei klimpern kann?“

Wie soll dein Geist sich dazu motivieren neben Job und sonstigen Verpflichtungen ein neues oder altes Neuland wieder zu betreten, wo er erneut nach Leistungs- & Optimierungsprinzip funktionieren muss. Wo ist das Spielen, der Spaß am Lernen oder wieder Erlernen geblieben? Wieso setze ich mich nach über 15 Jahren Orgelfreier Pause nicht mal wieder dran und akzeptiere, dass ich eben nicht mehr das Ave Maria rückwärts spiele, aber vielleicht doch noch den ein oder anderen Akkord greifen kann. Und „Für Elise“ geht ja auch immer, oder? Was wenn Elise eben doch nicht mehr geht? Dann Scheiß doch drauf und nehme es mit Gelassenheit. Es geht nicht um die äußere Form, nicht um das Fehlerfrei, nicht um das „die oder der Beste sein“. Es  geht darum wieder kreativer zu werden, sich zu trauen da zu sein, wo man eben ist. Ob das bedeutet, beim C-Akkord bei 5k mit zwischendurch Gehen oder eben bei einem Blogbeitrag, den keiner liest, angekommen zu sein.


iederd